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Zertifizierung von Elektrogeräten (Teil #2) - Zertifizierungsverfahren

Wie gestaltet sich die Konformitätsbewertung und das Zertifizierungsverfahren? Dies ist das Thema der nächsten Artikelreihe über die Zertifizierung von Elektrogeräten.

Die Konformitätsbewertung ist das Verfahren, um zu bestimmen, ob die tatsächlichen Produkteigenschaften mit den gesetzmäßig festgelegten technischen Anforderungen für das Produkt übereinstimmen. Für gewöhnlich ist das Konformitätsbewertungsverfahren in den relevanten EU-Richtlinien (und jeweiligen nationalen Gesetzen) näher spezifiziert. Für den Fall, dass die Richtlinie keine Definition beinhaltet, wird das Verfahren durch die Hersteller selbst festgelegt. Ein Beispiel: Wir haben das Gerät in Übereinstimmung mit den Standards hergestellt und haben die entsprechende technische Dokumentation. Wir entscheiden, wenn wir dieses anhand von Prüfungen validieren möchten, ob wir die Tests selbst durchführen oder ob wir diese von einem autorisierten Labor durchführen lassen möchten. Das Ziel der Konformitätsbewertung besteht darin, dass der Wirtschaftsteilnehmer (Hersteller, autorisierte Person, Importeur oder Händler) die EU-Konformitätserklärung ausstellt und gleichzeitig die CE-Kennzeichnung an dem Produkt vornimmt. Hierdurch übernimmt der Wirtschaftsteilnehmer die Gesamtverantwortung. Das Verfahren, über das diese Erklärung realisiert wird, wird Konformitätserklärung genannt. Welche per Gesetz festgelegten Verfahrensweisen Anwendung finden, hängt von der Art und Weise des Produkts ab. Für manche Geräte können die Prüfungen durch eine autorisierte Stelle (als „notifizierte Stelle“ bezeichnet) optional sein, für Produkte, die in potentiell explosiven Umgebungen verwendet werden, ist dies jedoch hinsichtlich der Konformitätserklärung verpflichtend. In jedem EU-Land gibt es eine Institution, welche diese Labore akkreditiert. Es gibt verschiedene Akkreditierungen für verschiedene Arten von Tests nachdem die definierten Anforderungen erfüllt worden sind. Jedes Labor stellt ein Zertifikat aus, um das Produkt entsprechend seiner Akkreditierung zu zertifizieren.
Die Zertifizierung ist lediglich ein Teil der Konformitätsbewertung und nicht in allen Fällen obligatorisch. Das Ergebnis ist ein Zertifikat, in dem die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben (z. B. Normen, Richtlinien, Vorschriften für die Automobilindustrie ECE usw.) erklärt wird. Für den Fall, dass die gesetzlichen Vorgaben je nach Art und Beschaffenheit des Produkts keine Zertifizierung vorschreiben, ist der Hersteller nicht dazu verpflichtet, ein Zertifizierungsverfahren zu bestehen. Ein Zertifikat kann jedoch bspw. bei verschiedenen Unternehmenskunden oder bei verschiedenen Auftragsausschreibungen gefordert sein. Größere Unternehmen möchten oftmals zusätzlich zu der EU-Konformitätserklärung Zertifikate sehen. Außerdem sind oftmals gesonderte Garantien gefragt, welche bestätigen, dass die Übereinstimmung mit den technischen Anforderungen durch ein unabhängiges Labor geprüft worden ist und nicht nur den Hersteller selbst. In diesem Fall ist das Zertifikat eines autorisierten Labors ausgezeichnet geeignet. Es wäre zu kurz gedacht, dass die Aufgabe eines Herstellers lediglich darin bestünde, die EU-Konformitätserklärung auszufüllen und anzunehmen, dass hierdurch die Pflicht getan sei. Prüfstellen können das Produkt jederzeit überprüfen und im Falle einer Nichtübereinstimmung werden Nachweise angefordert, die veranschaulichen, auf welcher Grundlage der Hersteller zu der Schlussfolgerung gekommen ist, dass das Produkt den Bestimmungen entsprochen hätte. Der Hersteller demonstriert die Compliance in einer Erklärung über Prüfprotokolle, die er, sofern gesetzlich zulässig, selbst durchführen kann. Für gewöhnlich haben die Hersteller selbst keine ausreichenden Kapazitäten für solche Tests, sodass sie sich an Labore wenden.

Wie gestaltet sich die Zertifizierung in einem autorisierten Labor

Ein Wirtschaftsteilnehmer wendet sich an eine autorisiertes Labor und stellt diesem grundlegende Informationen über das Produkt sowie über die Testanforderungen bereit. Wenn die Parteien sich auf die Zusammenarbeit einigen, wird der Hersteller technische Dokumentationen und Diagramme sowie das Produkt an sich und die Benutzeranweisungen bereitstellen. Abgesehen davon dient ein Teil der Dokumentation zur angemessenen Risikobewertung für das entsprechende Produkt. Daraufhin wird gemeinsam das Verfahren und die Produktanzahl abgestimmt und es folgt die Prüfung und Bewertung. Für den Fall, dass das Produkt den Vorgaben entspricht, stellt das Labor ein Protokoll über den Test und ein Zertifikat aus. Für den Fall, dass das Produkt nicht den Vorgaben entspricht, wird der Hersteller zur Nachbesserung aufgefordert und die Bewertung wird zurückgestellt. Es gilt zu berücksichtigen, dass manche Tests zerstörende Prüfungen beinhalten, sodass die Gefahr besteht, dass Testprodukte beschädigt oder sogar zerstört werden können. Gleichermaßen können die Sicherheit der Produktprobe oder sonstige Merkmale der Produktprobe im Zuge der Prüfung eingeschränkt werden, sodass von dem Verkauf oder der Verwendung dieses Produkts abgeraten wird.

Wie lässt sich das passende Labor auswählen?

Es ist wichtig, sich an eine Gesellschaft zu werden, welche die vorgeschrieben Normen in seinem Angebot hat, welche über qualifiziertes Personal verfügt und welche das notwendige Equipment besitzt. Eine Akkreditierungsurkunde kann hilfreich sein, viele Labore bieten jedoch auch eine große Anzahl nicht akkreditierter Prüfungen an.

Wie lange dauert eine solche Zertifizierung und was kostet diese?

Die Zertifizierungsdauer hängt von der gewünschten Länge und Schwierigkeit der Prüfung, der Qualität der Produktprobe und der bereitgestellten Dokumentation und selbstverständlich von der Verfügbarkeit des Labors ab. Üblicherweise dauert die Zertifizierung ein paar Wochen. Für den Fall, dass eine komplexe Konformitätswertung erforderlich ist, kann es sein, dass sich einzelne Labore gegenseitig mit ihren Kapazitäten aushelfen. Es kann sein, dass bestimmte Prüfungen so speziell und anspruchsvoll sind, dass diese lediglich von einer begrenzten Anzahl an Laboren in Europa durchgeführt werden. Deshalb kann sich die Zertifizierungsdauer erheblich in die Länge ziehen, wenn mehrere Antragsteller vorhanden sind.
So wie die Zertifizierungsdauer, hängt auch der Preis von dem Testumfang, von der Produktkomplexität und davon ab, ob kritische Bauteile (Transformator, Stromversorgung usw.), die bereits zuvor im Zuge der Entwicklung durch den Hersteller zertifiziert worden sind, bei der Herstellung verwendet werden. Heutzutage sind bspw. LED-Lichter sehr beliebt. Es gibt einen Standard für die photobiologische Sicherheit, in dem die Gefahr für potenzielle Sehbeeinträchtigungen durch sogenanntes Blaulicht thematisiert wird, auf die insbesondere bei LEDs mit hoher Leistung zu achten ist.

Wie lange ist das ausgestellte Zertifikat gültig?

Die Gültigkeitsdauer des Zertifikats hängt üblicherweise von der Entscheidung des Labors ab, in manchen Fällen sind jedoch zeitliche Fristen durch gesetzliche Vorschriften oder Zertifizierungsprogramme vorgegeben. Zertifikate gelten üblicherweise für einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren. Interessanter Weise jedoch ist es bspw. möglich, das Zertifikat für einen unbestimmten Zeitraum auszustellen, wenn der Hersteller des entsprechenden Produkts in regelmäßigen Abständen von einer Zertifizierungsstelle überprüft wird.
Änderungen am Produkt und an Komponenten müssen außerdem der Zertifizierungsstelle mitgeteilt werden, welche das Zertifikat ausgestellt hat. Die Stelle entscheidet dann über weitere Maßnahmen, den Bedarf oder Umfang für weitere Tests. Manche Richtlinien sehen vor, dass die akkreditierte Stelle den Hersteller im Falle einer Normänderung über solche Änderungen und über weitere durchzuführende Schritte informieren muss.

Die Produktprüfung kann dazu beitragen, potenzielle Risiken zu erkennen, die sich im Laufe der Zeit einstellen können sowie Gefahren in Bezug auf die Verbrauchersicherheit zu beseitigen. Wirtschaftsteilnehmer, die an lauteren Geschäftspraktiken interessiert sind, müssen sich um die Qualität ihrer Produkte sorgen. Wenn Sie Produkte importieren möchten, sollten Sie das Produkt zuerst testen. Zahlreiche importierte Produkte, für die bestimmte Merkmale schriftlich erklärt sind, erreichen die vorgeschriebenen Parameter während der Prüfung nicht.
Unternehmen, die in die Zertifizierung ihrer Produkte investieren, profitieren hiervon, da sich die Qualität in ihren Produkten bemerkbar macht und dies zu Marktwachstum führt.

Die nächste Artikelreihe hat das "Internet der Dinge" zum Thema. Erscheinend im September...

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